...oder was Kinder aus der Natur lernen können.
Unser Wochenende war eigentlich wie immer: Viel schlafen, viel spielen, wenig machen. Muss ja auch mal sein nach einer ereignis- und vor allem arbeitsreichen Woche. Alles war gut und ruhig und so gar nicht aufregend.
Bis zu dem Zeitpunkt, als wir mit den Jungs vom Fußballspielen heim kehrten. Mitten auf dem Gehweg lag es. Ein kleines blaues Ei mit braunen Punkten. Mein Großer beugte sich natürlich sofort runter und rief: "Das bewegt sich ja!" Er hatte recht, dass Ei war nicht leer. Durch einen kleine Öffnung war ein Schnabel zu sehen und das kleine Küken darin atmete fleißig.
Was tun? Wenn es nicht geöffnet gewesen wäre, hätte ich es ja gerne in eine Hecke gerollt, aber so...
Nein, wir konnten den Kleinen ja nicht einfach liegen lassen. Also, nahmen wir es mit! Die Aufregung bei den Jungs war groß! Bei uns auch! Was machen wir nun damit?
Mein Mann packte es zunächst in eine Glasschale. "Das doch viel zu kalt! Es braucht doch ein Nest! Ich geh mal im Internet schauen, was wir machen können!" So mein Kommentar.
Klar, war uns schon, dass es ein Amselei war, aber wann schlüpft das Küken, was braucht das Küken zum Fressen, wo kann es gelagert werden?
Unter http://www.wildvogelhilfe.org fand ich erste gute Hinweise.
Ein Nest musste her. Wir suchten also ein altes Osternest, legten Ostergras rein und darüber eine alte Mullwindel, damit es weicher ist. Wärme braucht der Kleine auch noch und Feuchtigkeit: Die Mullwindel wurde kräftig drumrum mit Wasser bespritzt und unsere Rotlichtlampe, die im Regal verstaubt, herausgekramt.
Warm und etwas feucht hatte es das Ei nun, doch der Kleine kam nicht raus. Irgendwie schien er zu schwach oder er lag falsch im Ei. Unsere Untermieterin leistete dann mit Hilfe von Wattestäbchen Schlüpfhilfe, indem sie an das Ei klopfte. Endlich schlüpfte die kleine Amsel und lag muksmäuschenstill da. Kein Pieps, kein Laut, aber es atmete und bewegte sich langsam. Es schien, als wolle der Kleine nur schlafen....
Essen musste her. Nachdem wir gelesen hatten, dass Insekten nur in Breiform gut wären, und anfangs auch Traubenzucker-Lösung reicht, stellten wir diese her und gaben ihm regelmässig mit einer Spritze Tröpfchen auf seinen Schnabel. Er trank und das ausgiebig!
Irgendwann gegen 21 Uhr bekamen wir dann unsere Kinder ins Bett. Zu aufregend war die kleine Amsel. Bevor sie sich in ihre Betten verabschiedeten, bekam die Amsel noch einen Namen: Tweedy Pieps. Und gerade der Große machte sich Sorgen, ob Tweedy Pieps die Nacht überleben würde. Aber da musste er durch. Ich versprach ihm, dass wir alles taten, damit es der Vogel schafft, aber wenn er zu schwach ist, könnten wir auch nichts weiter tun. So ist nunmal der Lauf der Natur...
Tweedy Pieps wanderte dann gegen 23 Uhr in seinem Nestchen mit Rotlichtlampe an mein Bett. Mein Mann machte sich nochmal auf ins Büro und unsere Untermieterin bot auch Hilfe an, wenn ich mal in Ruhe schlafen wollte. Alle halbe Stunde gab es zunächst Traubenzuckerlösung. Es war ja Sonntag und wir hatten nichts anderes da und ein Zoogeschäft hatte auch nicht auf. So war meine Nacht vom halbstündlichen Füttern und unruhigem Schlaf geprägt. Das war fast so, wie in der Zeit als meine Jungs noch Babys waren. Tweedy Pieps war vor allem zwischen drei und fünf aktiv.
Am nächsten Morgen rief ich dann hier im Tierpark an. Wir konnten die kleine Amsel einfach nicht behalten. Zum einen fahren wir bald in Urlaub, zum anderen haben wir keinerlei Erfahrung mit der Aufzucht von Wildvögeln. Der Obertierpfleger war ein netter Mann und meinte, wir sollen das Küken gleich vorbei bringen. Und so musste der Große Abschied nehmen von Tweedy Pieps. Wir fuhren gemeinsam zum Tierpark. Tweedy Pieps saß in seinem Nestchen auf meinem Schoß.
Der Tierpfleger nahm ihn als erstes auf die Hand, prüfte seine Temperatur und meinte, dass mit ihm alles okay sei. Dann erklärte er, dass die kleine Amsel für ein paar Tage in einen Bruttkasten käme und gefüttert wird. Wenn sie dann stark genug ist, wird er ihr ein Amselnest suchen, in dem die Jungen genau so alt sind. Tja, und dann wird er der Amsel das Jungtier unterschieben: "Amseln können nämlich nicht zählen!"
Einen Hinweise gab uns der Tierpfleger noch mit auf den Weg: Wenn wir das nächste Mal wieder ein Ei finden und uns sicher sind, welcher Vogel das ist, sollen wir nach einem Nest in der Nähe suchen. Es ist meist nicht so, dass Vogelmütter die Eier nicht mehr annehmen, wenn sie von Menschen berührt worden sind. Ansonsten haben wir mit Tweedy Pieps wohl alles richtig gemacht!
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